Stadtmagazin Iserlohn (Ausgabe 5 – 01.2009) Geburtstagskind ohne Alterserscheinungen Das Schauspielensemble begeistert auch nach 20 Jahren mit hochkarätigem Theater »Die Rosen auf Position«, »Moment mal, ihr lauft da rein wie eine Hammelherde« und »Ein bisschen mehr Konzentration bitte« – Matthias Hay ist auf der Bühne des Parktheaters in seinem Element. Am 14. März hat »Die Schöne und das Biest« Premiere, und so langsam wird es ernst. Seit gut einem Jahr arbeitet das Schauspielensemble Iserlohn schon an dem Kinderstück. Jetzt, in den letzten Wochen, nimmt es mehr und mehr Gestalt an. Und da wird auch der Regisseur schon mal energischer. Schließlich gilt es, einem hohen Anspruch gerecht zu werden. Seit zwanzig Jahren steht das Schauspielensemble für hochkarätige Theateraufführungen in Iserlohn. Am 1. Februar 1989 gründete es sich, hervorgegangen aus einer VHS-Theatergruppe. Die 18 Mitglieder fühlten sich den darstellerischen Kinderschuhen entwachsen und wollten mehr. Dass dieser Wunsch Bestand und Berechtigung hatte, zeigt die Erfolgsgeschichte, die sich anschloss. Von Anfang an erster Vorsitzender ist Matthias Hay, ein Schauspieler aus Leidenschaft, auch wenn er gerade als Regisseur auf der Bühne steht: »Unser Anliegen war es immer, klassische und zeitgenössische Literatur zu zeigen.« Jedes Jahr mindestens ein abendfüllendes Stück, lautet die Vorgabe. Mit ›Andorra‹ stellte man sich 1989 glänzend vor. Anouilh, Moliere, Goldman, Shakespeare – die Liste liest sich wie das ›Who is who‹ der internationalen Theaterliteratur. Die Karten für die jeweils rund sechs Aufführungen – mehr geht kaum, weil alle ja auch noch eine Hauptbeschäftigung haben – sind jedes Mal schnell ausverkauft. Wie zuletzt für ›Ach..!‹, ein gefeierter Loriot-Abend. »Das war eine tolle Sache«, meint Matthias Hay: »Dadurch sind einige ›Alte‹ wieder dabei gewesen.« Neue Gesichter sind immer willkommen, aber das Schauspielensemble leidet nicht unter akutem Mitgliederschwund. Auf rund 30 Aktive können die Regisseure – bei den Abendstücken wechseln sie von Jahr zu Jahr – zurückgreifen. »Zwischendurch sah das mal anders aus«, erinnert sich der Vorsitzende. Da entwickelte man das Kindertheater, und so kann man seit 1996 auch junge Darsteller gewinnen. Anders als bei den Abenden in der intimen Atmosphäre des Studios macht man mit den Märcheninszenierungen ganz ›großes Theater‹, unterstützt von der auf der Alexanderhöhe vorhandenen Technik. Fantastische Kostüme und Bühnenbilder, Licht-und Toneffekte – für die jungen Zuschauer schöpft man aus dem Vollen. »Es ist jedes Mal was Besonderes dabei«, ist Matthias Hay stolz. Das Neue diesmal: Tische und Stühle, die mit Spezialkostümen zum Leben erweckt werden. Auch Kerzenständer, Teekannen, Spiegel werden in ›Die Schöne und das Biest‹ tanzen, sprechen und Gefühle zeigen. Davon ist bei den Proben auf der kahlen Bühne noch nichts zu sehen. Mit viel Fantasie müssen sich die Schauspieler das riesige Märchenbuch vorstellen, eine imaginäre Treppe hochsteigen und nicht vorhandene Teetassen absetzen. Doch auch ohne das passende Drumherum geht es wenige Wochen vor der Premiere ans ›Eingemachte‹. Wer steht wo, wie stürmt die Elfe auf die Bühne, wann lässt sich der Vater traurig auf den Stuhl sinken, wo muss der Spiegel stehen, damit er den Zuschauern die Sicht nicht verdeckt? Viel Detailarbeit ist noch zu leisten, bis alles, auch der Text, sitzt. Trotzdem ist den Schauspielern der Spaß an der Sache anzumerken. Auch den ganz jungen. Julia und Anna zum Beispiel, zwei der Rosen. Die sieben- und achtjährigen Mädchen sind mit Feuereifer dabei: »Nur dass wir einmal solange still stehen müssen, macht nicht so viel Spaß.« Lampenfieber hat Anna, neu dabei, aber schon: »Ich bin ein bisschen viel aufgeregt.« Die elfjährige Ronja, eines der beiden Elfen-Helferlein, ist dagegen ein alter Hase. Nach der Aladin-Aufführung 2001 hat sie das Theaterfieber gepackt, und sie weiß schon, dass der Stress sich am Ende lohnt: »Wenn die Generalprobe kommt, die Premiere und dann die Premierenfeier – das ist einfach toll.« Danach geht es direkt weiter – mit dem nächsten Stück. hgs |
Iserlohner Kreisanzeiger 13.03.2009 Lauter kreative Talente am Werk Nach langer Vorbereitung feiert das Schauspielensemble Iserlohn morgen mit „Die Schöne und das Biest“ Premiere Iserlohn. (rat) Von den Ausmaßen, die eine solche Theaterproduktion annimmt, und davon, wieviel Arbeit die vielen Akteure auf und hinter der Bühne am Ende hineingesteckt haben, macht man sich wohl auch nach einem Blick auf die Probenarbeiten kein realistisches Bild. Am Samstag startet das Schauspielensemble Iserlohn mit der Premiere von „Die Schöne und das Biest” ins Jubiläumsjahr, und wie in den Jahren zuvor dürfen sich Iserlohns Kinder mit ihren Eltern auf ein riesiges Bühnenspektakel für alle Sinne freuen. Der Blick hinter die Kulissen und auf die erste Kostümprobe, zu der sich die knapp 40 kleinen und großen Schauspielerinnen und Schauspieler am Mittwochabend im Parktheater getroffen haben, ist mehr als eindrucksvoll. Ein wunderschöner, märchenhafter Schlosshof mit Brunnen bildet die Kulisse. Dazu hat Bühnenbildner Christopher Markert aufwendige bewegliche Elemente entworfen und umgesetzt – etwa ein überdimensionales Bilderbuch, das auf die Bühne gefahren wird und in dem die Schauspieler blättern können. Nicht weniger überwältigend sind die vielen Details der Requisiten oder die fantasievollen Kostüme, die die ensembleeigene Kostümschneiderin Julia Keune mit lebenden Kerzenleuchtern, Tischen oder Stühlen angefertigt hat. Seit Sonntag ist das Ensemble mit Technikern des Parktheaters dabei, die Bühne im Großen Haus einzurichten, die vorbereitenden Bastel-, Schneider- und Handwerksarbeiten für das Bühnenbild reichen natürlich schon weiter zurück. Matthias Hay, Vorsitzender des Schauspielensembles und Stammregisseur der Kindertheater-Produktionen, kann sich glücklich schätzen, neben einem so großen Team an schauspielerischen Kräften auch auf so viele weitere kreative Talente zurückgreifen zu können. Und das tut er auch im Gespräch mit unserer Zeitung. Erwähnenswert ist da zum Beispiel seine Frau Ute Preuße, die mit „Die Schöne und das Biest” bereits die vierte eigene und sehr freie Bearbeitung von Märchenstoffen bietet und sowohl Kinder als auch Erwachsene mit ihrem Witz und ihren Figuren anspricht. Wobei Matthias Hay Wert darauf legt, dass „Die Schöne und das Biest” eher dem französischen Original-Märchen von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont als dem Kinostreifen aus Hollywood folgt: „Wir machen hier keinen Disney-Abklatsch”. Nicht minder erwähnenswert sind die wunderbaren Lieder, die Ingmar Temp eigens für das Stück komponiert und mit mehreren Musikern eingespielt hat. Acht Nummern des Iserlohner Musikers, der schon des öfteren für das Schauspielensemble geschrieben hat, werden das Bühnengeschehen verfeinern und gewiss wieder den einen oder anderen Hit liefern. Seinen Zwergenmarsch vom vergangenen Jahr, als „Schneewittchen” auf dem Programm stand, hatten die Iserlohner Kinder auf jeden Fall noch lange im Ohr. 1996 hatte sich das Ensemble entschlossen, Kindertheater zu machen, um den Nachwuchs zu fördern und neue Schauspieler schon im Kindesalter auszubilden. „Eigentlich wollte ich damals ein kleines Märchen zum Herumtingeln machen,” erinnert sich Matthias Hay an die Anfänge. Doch schon das erste Stück „Felix und der finstere Fürst” funktionierte nur auf einer großen Bühne und wurde im Parktheater ein toller Erfolg. Danach gab es jährlich ein neues Märchenstück, wobei Ausmaß und Qualität beständig anwuchsen – auch dank der engen und guten Zusammenarbeit mit Theaterdirektor Johannes Josef Jostmann und der Unterstützung durch den Freundeskreis des Parktheaters. Für das Jubiläumsjahr zum 20-jährigen Bestehen hat das Schauspielensemble neben dem Kindertheater noch zwei weitere Erwachsenen-Stücke geplant. Im Juni soll mit „ MarLeni – Preußische Diven blond wie Stahl” von Thea Dorn ein fiktives Treffen zwischen Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl verwirklicht werden. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Erst feiert am Samstag „Die Schöne und das Biest” in der vielköpfigen Mischung aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Premiere. Ein Jahr lang haben die Schauspieler geprobt – zunächst einmal wöchentlich, in der zweiten Jahreshälfte zweimal wöchentlich, dann kamen noch Sonderproben mit Musik und Tanz dazu, „und seit einer Woche geht eigentlich nichts anderes mehr”, sagt Matthias Hay. Ob sich die enorme Arbeit gelohnt hat, ist ab morgen zu sehen. Die Premiere startet am Samstag um 15 Uhr im Parktheater. Danach folgen noch drei Aufführungen am Sonntag ebenfalls um 15 Uhr und am Montag um 8.30 und 11.30 Uhr. Karten sind in der Stadtinformation, 217-1819, sowie im Internet unter www.parktheater-iserlohn.de zu bekommen. |
Iserlohner Kreisanzeiger 16.03.2009 Sternstunde des Kindertheaters Iserlohn. Viel besser geht es kaum noch: Mit einer begeisternden Vorstellung ging am Samstagnachmittag die Premiere von „Die Schöne und das Biest”, geboten vom Schauspielensemble Iserlohn, über die Parktheater-Bühne. Für die Gruppe um Matthias Hay ein perfekter Start in das Jahr, in dem das Ensemble sein mittlerweile 20-jähriges Bestehen feiern kann. Ein Spektakel für alle Sinne war angekündigt worden – und das völlig zu Recht. Für das Schauspielensemble muss wohl ein neuer Begriff in der Theaterszene geprägt werden. „Amateure” oder „Laienspieler” mögen das rein formal zwar sein, aber die Leistung am Samstag hält auch bei kritischer Prüfung dem Vergleich mit Profis stand. 35 Darsteller erweckten das französische Volksmärchen aus der Feder von Jeanne-Marie Leprince in der Bearbeitung von Ute Preuße zu bildgewaltigem, charmantem und romantischem Leben, als sie die Geschichte des einsamen und Furcht einflößenden Biests erzählten, das nur durch bedingungslose Liebe von einem verhängnisvollen Zauber befreit werden kann. Anton Müller und Ginea Malou Hay in den Hauptrollen brillierten mit ihrer Professionalität und ihrem mitreißenden Spiel. Doch auch – oder gerade auch – die Nebendarsteller wie etwa Martina Hartwig als des Biests Hauslehrer Luminary (toller englischer Akzent!) verzückten die Zuschauer. Ein Iserlohner Theater-Nachmittag zum Träumen nicht nur für die vielen Kinder im Publikum, sondern auch für die erwachsenen Zuschauer, die sich von der entzückenden Fee Elodie de la Memoire (Maren Robrahn) bereitwillig entführen ließen in eine Welt voller Phantasie, Gefühl und Humor. „Keinen Disney-Abklatsch” wollte Regisseur Hay abliefern und wurde diesem Anspruch eindrucksvoll und von seinen Mitstreitern unterstützt mehr als gerecht. Ließ die schauspielerische Leistung schon keine Wünsche offen, gebührt den Männern und Frauen hinter den Kulissen indes ein mindestens ebenso großes Lob. Das von Christopher Markert, Mary Losch und Ramon Cosmai geschaffene Bühnenbild setzte mit Liebe zum Detail und in seiner Opulenz Maßstäbe. Einfach nur traumschön: Die von Julia Keune entworfenen und selbst genähten Kostüme. Nicht hoch genug angerechnet werden kann der Beitrag von Ingmar Temp, der für den Märchenstoff insgesamt acht Stücke komponiert und getextet hatte. Das war höchstes Niveau! Volle Punktzahl für das Schauspielensemble, das Iserlohn eine Sternstunde des Kindertheaters schenkte. Thomas Pütter |
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